Taijiquan hat ein mit der Philosophie verbundenes Ziel: Das Erkennen hinter dem Wirken gegensätzlicher, sich ergänzender Prinzipien, es ist untrennbar mit
Haltungen, Emotionen und
Perspektiven verknüpft.


Taijiquan betreiben heisst nach chinesischem Verständnis, durch die Übung der „Faust“ und unter Beobachtung der Yin-Yang-Gesetze eine Verbindung zum Urgrund des Seins herzustellen, um an den universellen Kräften der Natur Anteil zu nehmen. Ziel ist es, durch die Beobachtung der Ordnung der Natur ein hohes Mass innerer Ruhe, Mitgefühl und Selbstlosigkeit beim Üben und im täglichen Leben Harmonie und innerer Ausgeglichenheit zu erreichen.
Die beiden Pole des taiji, die es zu bewahren gilt, sind im Menschen selbst sowie in jeder Erscheinung angelegt. So ist das taiji nicht nur der Urheber der Erscheinungswelt und dieser zeitlich vorgeordnet, sondern es ist mit der Entstehung der Erscheinungswelt in jeder Erscheinung eingegangen und in Ihr wirksam.
Sämtliche Bewegungen des Taijiquan sollen im Wechselspiel von schnell und langsam, hart und sanft mit gleichbleibender Geschwindigkeit natürlich fließend und rund, ähnlich dahin-ziehenden Wolken oder einem ruhig dahin-fliessenden Strom ausgeführt werden.
Die dabei typisch sanftfliessenden Bewegungen sorgen für eine tiefgreifende Übungsfertigkeit und zeugen gleichzeitig für die Qualität des Trainings. Es verbessert sich der Muskeltonus, der Gleichgewichtssinn und die Atmung, das Bindegewebe des gesamten Körpers wird vitalisiert. im Verlauf der Übungserfahrung wird die Beinmuskulatur gekräftigt; der Muskeltonus wird elastischer. Lendenwirbel und Beckenbereich werden ausgiebig trainiert und stabilisiert. Das auch "Schattenboxen" genannte Kampfkunstsystem Taijiquan stellt mit seinen technischen Feinheiten zum einem besondere Anforderungen an die Atmung und die Aufmerksamkeit. Die Konzentration auf die Wahrnehmung von innerer Weite und Kraftverdichtung ist essentiell. Bei voller Konzentration sind die Bewegungen harmonisch und die Körpereigenen Energien harmonisieren sich. Hierbei werden mit einer gewissen Spannung die Muskeln und Sehnen, bzw. der Wechsel von Anspannung und Entspannung eingeübt. Jeder Teil des Körpers wird in eine ideale Position für das Gleichgewicht und eine effiziente Aktion gebracht. Von Anfang an versuchte man unter Hervorhebung der Aspekte der Ganzheit und Balance die einzelnen Bewegungen seine Ausprägungen wie der von Bewegung und Ruhe, dem Harten und Sanften, dem Schnellen und Langsamen oder dem Entgegentreten und Ausweichen zu erfassen. Diese Begriffe stehen in enger Beziehung zueinander und bedürfen einer ganzheitlichen Auslegung. Erst dann eröffnet sich ihr wahrer Sinngehalt. Die Methoden des Taijiquan verfolgen eben diesen ganzheitlichen Ansatz. Dies ermöglicht die Beziehungen zwischen der Gesamtheit und einzelnen Teilen sowie die Beziehungen zwischen einzelnen Teilen selbst zu erfassen. Das Taijiquan betont die Vollkommenheit sowie Gleichmäßigkeit und Harmonie der Bewegungen. |