PRÄSENTATION

WU GUAN


Die Schule für Chinesische Kampfkunst 
versteht sich als ein Ort,in dem gelehrt,
gelernt, geforscht, entdeckt wird und
Kampfkunst gelebt werden kann. 
Versteht man darüber hinaus die 
Schule als Gemeinschaft, ist es
für alle selbstverständlich, dass
gegenseitige Achtsamkeit, 
 partnerschaftlicher Umgang 
als wichtige Grundwerte 
verstanden werden.


  • Konzeption

Unter meiner Anleitung muss der lernwillige Schüler den eigenen Weg finden. Der Unterricht bringt dem Schüler in der Kampfkunst technischen Fertigkeiten zur Selbstvervollkommnung und steht hierbei dem Schüler mit meiner Wegerfahrung zur Seite. Beim Erlernen der praktischen Fähigkeiten begleite ich den Schüler in seinen Tätigkeiten und kontrolliere ständig seine innere Haltung, also die geistige Einstellung des Schüler zu seinem Tun. Nur wenn diese im Einklang mit den ausgeführten Techniken steht, kann ich dem Schüler auf dem Weg voran bewegen.

Zu Beginn der Aneignung einer Bewegung nimmt der Schüler  die Lösung dieser Bewegungsaufgabe in ganz primitiver Form in Angriff. Er fixiert alle Gelenke des Bewegungsapparats durch gleichzeitige Anspannung aller Antagonisten und schaltet damit von vornherein alle Freiheitsgrade mit  Ausnahme des einen  oder der zwei aus, die für die betreffende Bewegungsphase unbedingt erforderlich sind. Um nicht von der Fülle an Lösungsmöglichkeiten verwirrt zu werden ‚versteift’ sich der Lernende also unwillkürlich auf eine Lösungsmöglichkeit,  die die Erfüllung der Aufgabe gerade noch zulässt. Die Lernschwierigkeiten die durch die Unüberschaubarkeit der Freiheitsgrade an Lösungs-möglichkeiten entstehen, werden eingeschränkt, indem erst einmal eine oder wenige Lösungsmöglichkeiten ausgewählt werden.


Das erlernen komplexer Bewegungsabläufe in der Kampfkunst beinhaltet zunächst u.a.den ständigen Kampf gegen das eigene Ich, das von mir immer von Neuem entfacht wird. Der Schüler bekommt von mir demzufolge nicht bloß eine rein praktische Herausforderungen im Erlernen neuer Bewegungen gestellt, sondern auch neue Hürden im Kampf gegen sich selbst. Eine Form, sich diesem Prozess des Wachstums und der Ich-Überwindung zu stellen, ist die Kunst des Kampfes. Die Kampfkunst ist zudem eine kontemplative Methode, die es erlaubt, das Wesen des Geistes sowie des Körpers zu verstehen und die Seinsweise der Dinge zu erfassen. Es soll verhindern, dass man dieselben negativen Gewohnheiten wie vorher wieder aufnimmt. Sie besteht darin, im alltäglichen Leben das während der Ausübung Begriffene umzusetzen, um eine gröβere Offenheit des Geistes, mehr Güte und Geduld zu erlangen und unsere Verhaltensmuster zu korrigieren.

Schliesslich zeichnet sich die Übungsfertigkeit in der Kampfkunst nicht durch Wiederholung des Gleichen, sondern durch Wiederholen des scheinbar Gleichen, aber doch Unterschiedlichen aus. Daraus resultiert aufgrund der Bewegungsabsicht und er Anatomie und Physiologie des Schülers notwendigerweise, auf immer wieder andere, teilweise ähnliche Weise, aufs Neue, bis keine Bewegung mehr gehemmt ist und jede Bewegungsfreiheit möglich ist, da die kommenden auftretenden Kräfte schon bekannt sind.


Mag sein, dass wir das Wesen des Lebens intellektuell verstanden haben. Durch die Praxis von Kampfkunst jedoch erfahren wir die Realität der Unbeständigkeit direkt innerhalb unseres Körpers. Wir können sie unmittelbar wahrnehmen. Die direkte Erfahrung der kurzlebigen, 
flüchtigen Empfindungen gibt uns den Beweis unserer vergänglichen Natur. Jedes kleinste Teilchen des Körpers, jeder geistige Prozess ist in ständigem Fluss begriffen. 
Es gibt nichts, das länger als einen Augenblick Bestand hat, keinen harten Kern, an dem man sich festhalten kann, nichts, das man "ich" oder "mein" nennen könnte. In Wirklichkeit ist dieses „ich“ nur eine Kombination von Prozessen, die ständig in Veränderung begriffen sind. Kampfkunstpraktizierende verstehen die Unbeständigkeit nicht nur intellektuell, sondern erleben sie im Innern, durch die Beobachtung der Empfindungen im Körper.




Das Selbst ist die spontane Organisation,
die aus der Interaktion von mentalen und physikalischen Elementen entsteht. 
Das Selbst verfügt über keine Steuerungs- 
und Lenkungsinstanz und ist ein selbst-laufender Lenker, der nicht im Bewusstseins-bereich operiert. Nur das spontan-natürlich-freiheitliche Selbst kann seinem "innersten Gesetz" folgen und zu seinem "eigenen Gesetzgeber" werden. Mit Freiheit ist in 
diesem Fall nicht die Befreiung von gesellschaftlichen und ethischen Normen gemeint, sondern die freie Entfaltung des Geistes und Verwirklichung der richtigen Lebensweise in gewissen Grenzen.